Joblinge und die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg begleiten Jugendliche mit schwierigem Start in die Ausbildung. Für Gastronomie und Hotellerie eine Chance.

Freundlich, pünktlich, teamfähig: Was im Gastgewerbe zählt, steht auf keinem Zeugnis. Genau hier setzt #chancen.nutzen an, ein Projekt der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) und der Sozialunternehmen Joblinge für motivierte, praktisch begabte Zehntklässler mit schwierigem Start.

Ein Schuljahr lang begleiten die Joblinge die Jugendlichen mit Workshops und Einzelgesprächen, von der Stärkenanalyse bis zum Vorstellungsgespräch, dazu kommen Praktika mit Vor- und Nachbereitung. Seit April 2023 wurden 290 Schülerinnen und Schüler erreicht, 97 von ihnen in eine duale Ausbildung vermittelt. Handel, Gesundheit sowie Hotellerie und Gastronomie zählen zu den beliebtesten Branchen. Wichtig für Betriebe: Bundesweit sind 84 Prozent der vermittelten Joblinge-Teilnehmenden auch sechs Monate nach dem Start noch in Ausbildung.

Wie das aussehen kann, zeigt Marjam. Sie kam ohne klare Richtung zu Joblinge, erarbeitete sich auf einer digitalen Speed-Dating-Jobmesse ein Praktikum bei Motel One und merkte: Die Hotelbranche passt zu ihr. Das Unternehmen war so überzeugt, dass es extra für sie einen Ausbildungsplatz schuf, obwohl alle Plätze vergeben waren.

Auch Daria hatte einen klaren Traum: Hotelfachfrau. Wegen ihrer Noten rieten Lehrkräfte und Berufsberatung zu einem weiteren Jahr Berufsvorbereitung (IBA). In den Workshops entdeckte sie ihre Stärken und setzte sich durch. Als sie das Vorstellungsgespräch im Wunschhotel aus Aufregung kurzfristig absagte, erklärten die Joblinge der Hotelleitung offen, was passiert war. Daria bekam eine zweite Chance, überzeugte – und ist dort seit Februar 2025 in Ausbildung.

„Wir machen ihnen bewusst, dass jeder Mensch Stärken hat und dass eine Fünf in Mathe nichts über die eigenen Fähigkeiten in anderen Bereichen aussagt.“
Joblinge Berlin, Abschlussbericht #chancen.nutzen

Für Betriebe ist der Einstieg niedrigschwellig: Sie können sich bei Speed-Datings, Azubi-Talks, Bewerbungsmarathons oder Betriebsbesichtigungen vorstellen und Schulpraktika anbieten. Auch nach Ausbildungsbeginn gibt es Unterstützung, etwa psychosoziale Gespräche und Mediation. 240 Unternehmen sind bereits aktive Partner, darunter Motel One und Hilton.

Wir als DEHOGA Berlin sagen: Gerade bei knappen Fachkräften lohnt der zweite Blick auf Bewerberinnen und Bewerber, die ihr Talent nicht in Noten zeigen. Wer mitmachen will, meldet sich direkt bei den Joblinge.

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