Im Vorfeld eines für 2027 geplanten Aktionsplans zum Thema geografische Angaben traditioneller Erzeugnisse und regionaler Spezialitäten tauschte sich HOTREC, der europäische Dachverband des Gastgewerbes, Anfang Juli mit der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission aus. Ziel ist es, geografische Herkunftsbezeichnungen durch einen nicht-legislativen Aktionsplan mit freiwilligen Best-Practice-Maßnahmen bekannter zu machen.

Freiwilligkeit für DEHOGA und HOTREC zentral 

HOTREC begrüßte diesen freiwilligen Ansatz ausdrücklich, äußerte jedoch Vorbehalte gegenüber Überlegungen, einen Verhaltenskodex für Gastronomiebetriebe zum Umgang mit solchen geografischen Angaben zu entwickeln.

Mit den Qualitätszeichen „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.), „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g.U.) und „garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.) schützt die Europäische Union traditionelle Erzeugnisse und regionale Spezialitäten. Mehr als 100 deutsche Produkte – darunter „Schwäbische Maultaschen“, „Schwarzwälder Schinken“ oder „Schwäbische Spätzle“ – tragen eines dieser Siegel. Dass diese Siegel nicht besonders bekannt sind, liegt aus Sicht des DEHOGA insbesondere bei frisch im Gastgewerbe hergestellten Speisen im bürokratischen Aufwand, der mit einer Lizenzierung verbunden ist. Selbst Betriebe in den jeweiligen Herkunftsregionen dürfen die Bezeichnungen trotz traditioneller eigener Herstellung nicht verwenden, wenn sie nicht entsprechend lizenziert sind. Gerade für kleinere Betriebe stehen Aufwand und Kosten der Lizenzierung in keinem angemessenen Verhältnis zur Nachfrage der Gäste nach den “geschützten Begriffen.”

Tourismusschulen und Gastronomietourismus einbeziehen und fördern

Im Mittelpunkt des Austauschs standen außerdem erfolgreiche Praxisbeispiele aus den Mitgliedstaaten. So wurde u.a. die Initiative „Schmeck den Süden“ des DEHOGA Baden-Württemberg und des baden-württembergischen Ernährungsministeriums vorgestellt: Teilnehmende Betriebe integrieren Produkte mit EU-Herkunftsbezeichnungen gezielt in ihre Speisenangebote in der Gemeinschaftsverpflegung.

Die Kommission sieht auch Handlungsbedarf bei der Aus- und Weiterbildung und prüft digitale Schulungsangebote sowie Informationskampagnen. HOTREC regte an, Tourismusschulen und den Gastronomietourismus stärker einzubeziehen, wies aber zugleich auf die Gefahr einer Informationsüberlastung durch immer mehr Kennzeichnungs- und Qualitätssysteme hin. Die Kommission griff diese Bedenken auf.

Der Dialog soll im November mit Agrarkommissar Christophe Hansen fortgesetzt werden.

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