Seit Januar 2026 ist Jana Schimke als neue Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes im Amt. Im Gespräch mit Gerrit Buchhorn, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Berlin, spricht sie über den Wechsel von der Politik in die Verbandswelt, die Lage der Branche, politische Interessenvertretung und die Modernisierung des DEHOGA. In den vergangenen Monaten haben sich beide bei verschiedenen Veranstaltungen und Terminen näher kennengelernt und sind inzwischen per Du.

Gerrit Buchhorn: Seit rund acht Monaten bist du nun  Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes. Wie hast du die ersten Monate erlebt?

Jana Schimke: Unglaublich intensiv. Nach vielen Jahren in der Politik auf die Verbandsseite zu wechseln, war eine neuen Erfahrung. Es ist eine andere Form von Verantwortung: Ich führe eine Bundesgeschäftsstelle mit 16 Mitarbeitenden und trage Verantwortung gegenüber einer Organisation mit gut 55.000 Mitgliedern. Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Branche, dem Engagement der Unternehmerinnerinnen und Unternehmer, aber auch vom Herzblut unserer Ehrenämter, die sich mit großer Leidenschaft für den DEHOGA stark machen.

Politiker müssen sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen und können nicht in jeder Branche Experten sein. Gleichzeitig erleben wir als Landesverband immer wieder, dass Entscheidungen getroffen werden, die an der betrieblichen Realität vorbeigehen. Du hast selbst viele Jahre als Abgeordnete gearbeitet: Fehlt der Politik manchmal das Verständnis für die Wirtschaft?

Zuweilen ja. Wer selbst nie ein Unternehmen geführt hat, kann nicht alle unternehmerischen Zusammenhänge aus eigener Erfahrung kennen. Für mich war aber immer entscheidend, eine Politik für unsere Wirtschaft und die Menschen zu machen. Niemand erwartet, dass ein Politiker alles weiß. Aber die Bereitschaft, Argumente aufzunehmen und sich eine eigene Meinung zu bilden, muss da sein. Problematisch wird es, wenn Positionen von vornherein feststehen und für andere Argumente keine Offenheit besteht.

Wenn politische Entscheidungen trotz fachlicher Argumente nicht immer in die gewünschte Richtung gehen: Was können Verbände tun, um politisch mehr zu erreichen?

Wir müssen gesellschaftlichen Druck erzeugen, Rückhalt gewinnen, die Menschen hinter unseren Anliegen versammeln und anschaulich aufzeigen, welche Folgen politische Entscheidungen für alle haben. Unsere Branche hat dafür große Chancen: Fast jeder hat ein Lieblingsrestaurant, ein Café oder ein Hotel, mit dem er etwas verbindet. Wir müssen unserem täglichen Geschäft stärker ein Gesicht geben. Neben Verbandsvertretern sollten noch häufiger Unternehmerinnen und Unternehmer selbst vor die Kamera treten. Niemand ist authentischer als derjenige, der jeden Tag im Betrieb steht.

Die Lage der Betriebe ist regional und wirtschaftlich sehr unterschiedlich. Wie nimmst du die Stimmung in der Branche insgesamt wahr?

Sehr unterschiedlich. Es gibt Regionen und Betriebe, die gut laufen, und andere, die massiv unter Druck stehen. Jedes Mitglied – von der Boomtown bis in den ländlichen Raum – muss sich mit seinen Herausforderungen wiederfinden. Unsere Aufgabe ist es, dieses Bild realistisch abzubilden und Verbesserungen herbeiführen – auf allen Ebenen. 

Wenn du auf die aktuelle Situation der Branche und die politische Arbeit des Verbandes blickst: Welche Themen stehen für dich derzeit ganz oben auf der Agenda? 

Das zentrale Thema ist die Kostenentwicklung. Personal­­­­ kosten, Kosten für Energie, Lebensmittel und Transport be­lasten die Betriebe enorm. Gleichzeitig müssen wir beim Bürokratieabbau vorankommen und mehr unterneh­merische Freiheit ermöglichen. Außerdem bleibt die Nachwuchsgewinnung ganz oben auf unserer Agenda. Wir sind eine ausbildungsintensive Branche und bieten jungen Menschen enorme Chancen.

Der DEHOGA hat bereits Veränderungen angestoßen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich der Verband insgesamt moderner und attraktiver aufstellen kann. Wo siehst du dabei Handlungsbedarf?

Die Organisation hat klare Ansprüche, was unsere Außendarstellung, Mitgliederansprache oder auch das Erreichen politischer Ziele angeht. Was den Stand betrifft, so haben wir in diesem Jahr zuallererst unsere Wochenarbeitszeitkampagne gestartet, unseren Inter­netauftritt grundlegend modernisiert, Entscheidungs­­­prozesse optimiert und sind aktuell dabei, auch inner­ verbandlich die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wenn es uns gelingt, noch in diesem Jahr den Rahmen für eine nationale Beitragsordnung auf den Weg zu bringen, wären wir aus meiner Sicht einen großen Schritt weiter.

Der DEHOGA ist föderal organisiert und die Landesverbände arbeiten sehr nah an den Mitgliedern. Welche Rolle spielen die Landesverbände bei der Weiterentwicklung des Gesamtverbandes?

Wir sind so gut wie jeder einzelne von uns. Bund und Länder müssen ihre Arbeitsrealitäten noch stärker zusammenbringen und dieselbe Sprache sprechen. Ein gutes Beispiel ist die oneDEHOGA App oder auch das Siegel TOPAusbildungsbetrieb. Solche gemeinsamen Projekte zeigen, was wir gemeinsam bewegen und erreichen können. 

Wenn der Analyse- und Reformprozess jetzt in die nächste Phase geht: Welche konkreten Themen stehen für dich in den kommenden Monaten auf der Agenda?

Nach außen müssen wir weiter darum kämpfen, dass sich die wirtschaftspolitische Lage in Deutschland verbessert. Hier gibt es eine breite Allianz von Arbeitgeber- und Mittelstandsverbänden. Es geht um Existenzen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland. Nach innen werden wir gemeinsam mit den Landesverbänden den Fokus auf die Mitgliedergewinnung, die Mitgliederansprache und unseren Service legen.

Was wünschst du dir für die weitere Entwicklung des DEHOGA?

Ich wünsche mir, dass der DEHOGA als starker Anwalt, klare Stimme und moderner Dienstleister die erste Adresse für seine Mitglieder ist und bleibt – mit hoher Qualität, einem breiten Serviceangebot und ganz nah an den Betrieben. 

Vielen Dank für deine Zeit und das offene Gespräch.

Nachzulesen auch in der hogaAKTIV August-September Ausgabe 2026

© DHEOGA Berlin

Keine Brancheninfos mehr verpassen?

Geht. Mit dem DEHOGA Berlin Newsletter.