Die aktuelle Debatte um mögliche Emirates-Flüge zum BER ist weit mehr als eine Diskussion über eine einzelne Airline oder eine Strecke nach Dubai. Aus Sicht des DEHOGA Berlin geht es um die grundsätzliche Frage, ob der Flughafen Berlin Brandenburg seiner Rolle als Hauptstadtflughafen gerecht werden darf – oder weiterhin strukturell benachteiligt wird.
Berlin ist internationale Metropole, Tourismusmagnet, Innovationsstandort und politisches Zentrum Deutschlands. Dennoch verfügt der BER weiterhin nur über eine sehr begrenzte Zahl an interkontinentalen Direktverbindungen. Geschäftsreisende, Investoren, Messegäste und Touristen sind häufig gezwungen, über andere Drehkreuze wie Frankfurt, München oder ausländische Hubs umzusteigen – mit zusätzlichem Zeitaufwand, höheren Kosten und vermeidbaren Emissionen.
Konnektivität ist ein entscheidender Standortfaktor
Für den Tourismus in Berlin ist eine starke internationale Verkehrsanbindung essenziell. Gäste aus Asien, dem Mittleren Osten oder Nordamerika erwarten Direktverbindungen. Gerade im Kongress- und Messegeschäft ist die globale Erreichbarkeit ein zentrales Entscheidungskriterium. Wer internationale Veranstaltungen nach Berlin holen will, muss internationale Direktverbindungen anbieten können.
Doch auch für den Wirtschaftsstandort Berlin und die gesamte Hauptstadtregion ist Konnektivität kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung. Internationale Unternehmen treffen Standortentscheidungen auch auf Basis der Erreichbarkeit. Fehlende Langstreckenverbindungen schwächen die Wettbewerbsfähigkeit Berlins im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen erheblich.
Blockadehaltung schadet Berlin
Der Eindruck, dass bundespolitische Entscheidungen oder Marktinteressen etablierter Airlines dazu führen, dass dem BER zusätzliche Start- und Landerechte vorenthalten werden, ist aus Berliner Sicht hochproblematisch. Ein Verhindern neuer Langstreckenverbindungen schadet dem Standort mehr, als es ihm nützt.
Deutschland kann es sich nicht leisten, die Hauptstadtregion infrastrukturell dauerhaft zu benachteiligen. Der BER muss die Möglichkeit erhalten, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Dazu gehören faire Wettbewerbsbedingungen, angepasste Luftverkehrsabkommen und der Abbau regulatorischer Hürden – so wie es auch die Luftverkehrsinitiative fordert
Appell an Bundesregierung und Lufthansa
Der DEHOGA Berlin fordert die Bundesregierung auf, dem BER die notwendigen Spielräume zu verschaffen, um zusätzliche internationale Direktverbindungen zu ermöglichen – auch für Airlines aus dem Golfraum.
Gleichzeitig gilt: Wenn etablierte Marktteilnehmer wie die Lufthansa nicht möchten, dass andere Fluggesellschaften den BER stärker bedienen, dann müssen sie selbst für eine deutlich bessere internationale Anbindung Berlins sorgen. Die Hauptstadt darf nicht vom Wohlwollen einzelner Drehkreuze abhängig bleiben.
Ein moderner Hauptstadtflughafen braucht:
- mehr Langstreckenverbindungen in Wachstumsregionen,
- faire Wettbewerbsbedingungen im internationalen Luftverkehr,
- verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen,
- und eine klare politische Priorisierung der Konnektivität Berlins.
Berlin darf kein Zubringer bleiben
35 Jahre nach der deutschen Einheit kann es nicht sein, dass ein Großteil der interkontinentalen Verbindungen weiterhin über westdeutsche Drehkreuze läuft, während der Osten strukturell unterversorgt bleibt. Berlin ist Bundeshauptstadt – und muss auch infrastrukturell so behandelt werden.
Die Emirates-Debatte ist deshalb ein Gradmesser dafür, wie ernst es Bund und Branche mit der Stärkung des Standorts Berlin meinen.
Der DEHOGA Berlin steht gemeinsam mit seinen Partnern der Luftverkehrsinitiative für einen klaren Kurs: Mehr internationale Direktverbindungen. Mehr Wettbewerbsfähigkeit. Mehr Zukunft für die Hauptstadtregion.


