Mit großer Trauer nimmt der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (DEHOGA Bundesverband) Abschied von seinem Ehrenpräsidenten und langjährigen Präsidenten Ernst Fischer. Er verstarb nach schwerer Krankheit am 24. Juni 2026 im Alter von 82 Jahren in Tübingen. Mit Ernst Fischer verliert das deutsche Gastgewerbe eine seiner prägendsten Persönlichkeiten. Über Jahrzehnte hat Ernst Fischer die Entwicklung des DEHOGA auf Kreis-, Landes- und Bundesebene entscheidend mitgestaltet und der Branche eine starke Stimme gegeben.

DEHOGA-Präsident Guido Zöllick erklärt:

„Ernst Fischer hat sich mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und großer Überzeugungskraft für die Anliegen der Branche eingesetzt. Dabei blieb er stets nahbar, menschlich und den Mitgliedern eng verbunden. Mit Ernst Fischer verliert das Gastgewerbe einen leidenschaftlichen Gastgeber, weitsichtigen Unternehmer, überzeugten Interessenvertreter, brillanten politischen Netzwerker und einen außergewöhnlichen Menschen, dessen Wirken weit über die Grenzen der Branche hinausstrahlte. In großer Verbundenheit, tiefer Dankbarkeit und hoher Wertschätzung werden wir Ernst Fischer stets ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen beiden Söhnen.“

Geboren wurde Ernst Fischer am 16. April 1944 in Geislingen an der Steige. Nach seiner Ausbildung zum Koch folgten Stationen in Spitzenhäusern in England, Frankreich, Schweden und in der Schweiz, so im berühmten Hotel Georg V in Paris und als Privatkoch im englischen Windsor. 1969 kehrte Ernst Fischer nach Deutschland zurück, machte sich 1970 in Hechingen selbstständig und wurde seinerzeit als jüngster Gastwirt Deutschlands bekannt. Sein fachliches Können vertiefte er durch eine Ausbildung zum Küchen- und Serviermeister an der Hotelfachschule Bad Reichenhall. Von 1976 bis 2012 betrieb er das renommierte Restaurant Rosenau und das RoseCatering. Gemeinsam mit seiner Familie führte er zudem seit 1976 das traditionsreiche Landhotel „Hirsch“ in Tübingen-Bebenhausen, das er nach mehr als vier Jahrzehnten als Gastgeber Ende 2018 an seine Nachfolger übergab. Fischers Lebensmotto lautete: „Porta patet, cor magis“ – Die Tür steht offen, das Herz noch mehr. Gastfreundschaft verstand er nicht als Dienstleistung, sondern als Haltung.

Seine Leidenschaft für Gastfreundschaft und Unternehmertum verband Ernst Fischer früh mit einem außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagement. Nach zahlreichen Funktionen auf Kreis- und Landesebene wurde er 1989 Mitglied des Vorstands des DEHOGA Baden-Württemberg und 1995 Präsident des DEHOGA Baden-Württemberg. Im November 2000 wurde Ernst Fischer zum Präsidenten des DEHOGA Bundesverbandes gewählt; planmäßig erfolgte sein Amtsantritt ein Jahr später. Bereits zuvor war er seit 1996 stellvertretender Präsident des Bundesverbandes gewesen. In seiner 15-jährigen Amtszeit an der Spitze des Verbandes gab Ernst Fischer dem DEHOGA Gewicht und Profil als politische Stimme der Branche. Zu seinen größten Erfolgen zählten unter anderem die Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent für die heimische Hotellerie, die Abschaffung der Trinkgeldbesteuerung sowie die Sicherung der Steuerfreiheit von Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschlägen. Im November 2016 übergab Ernst Fischer den Staffelstab an Guido Zöllick und wurde von der Delegiertenversammlung zum Ehrenpräsidenten des DEHOGA Bundesverbandes ernannt.

Ernst Fischer war weit über den DEHOGA hinaus eine geschätzte Persönlichkeit der deutschen Tourismusbranche. Er engagierte sich in zahlreichen Gremien und Organisationen, unter anderem als Vizepräsident des Verwaltungsrates der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), stellvertretender Präsident und Schatzmeister des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Vorsitzender der Bundesvereinigung der Musikveranstalter sowie in verschiedenen Aufsichtsräten, Beiräten und Jurys der Branche und ihrer Partner. Sein Rat und seine Expertise waren auch in der Politik gefragt, etwa im Beirat für Fragen des Tourismus beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit.

Für seine herausragenden Verdienste um das Gastgewerbe, den Tourismus und die mittelständische Wirtschaft wurde Ernst Fischer 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde Ernst Fischer zudem mit der 58. Brillat-Savarin-Plakette sowie mit der „Kristallkugel“, dem Ehrenpreis des Tourismusausschusses im Deutschen Bundestag, gewürdigt.

Freiheit, Toleranz, Menschlichkeit und Konsensbereitschaft ebenso wie der Mut, Entscheidungen zu treffen, prägten Ernst Fischers Handeln als Unternehmer, Präsident und Mensch. Diese Werte bleiben untrennbar mit seinem Namen und seinem Wirken verbunden.

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